Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass Beachvolleyball für dich mehr als nur ein Hobby ist?
Das war im Jahr 2020. Damals hatten wir einen nationalen Juniorinnen-Zusammenzug für Indoor und Beach. Der Beach-Nationaltrainer kam auf mich zu. Kurz darauf reiste ich mit Annique Niederhauser an die U18-EM, obwohl ich erst 15 Jahre alt war. In diesem Moment habe ich realisiert, dass mehr daraus werden könnte.
Wie sah dein Alltag als Nachwuchsathletin aus?
Sehr vollgepackt. Ich stand auf, ging ins Training, danach zur Schule und anschliessend wieder ins Training. Danach kam ich nach Hause und musste lernen und so war der Tag bereits zu Ende. Viel Freizeit hatte und habe ich nicht. Ich würde es aber nicht anders haben wollen und bereue nichts.
Was waren die grössten Unterschiede zwischen Nachwuchsturnieren und dem internationalen Elite-Niveau?
Die Elite-Turniere sind deutlich grösser, wodurch die Atmosphäre mit den Zuschauern besonders eindrücklich ist. Zudem finden die Turniere oft weit entfernt statt. Reisen nach Brasilien, Mexiko oder Kanada gehören dazu, und das viele Unterwegssein war für mich zunächst ungewohnt.
Eine wichtige Rolle spielen ausserdem die spielerischen und technischen Fähigkeiten der Spielerinnen, ihr Spielverständnis sowie der physische Bereich. Das Spiel ist schneller und insgesamt athletischer. Am deutlichsten spürbar ist jedoch der mentale Bereich in Verbindung mit den gesammelten Erfahrungen. Je mehr Erfahrung man hat, desto besser weiss man, wie in bestimmten Situationen zu handeln ist, sowohl auf als auch neben dem Feld.
Welchen Stellenwert hat das Swatch Beach Pro Gstaad für dich?
Einen sehr grossen. Ich finde es enorm cool, dass es ein Elite16-Turnier in der Schweiz gibt. Vor dem Heimpublikum zu spielen ist etwas ganz Besonderes und pusht einen enorm. Zudem ist die Kulisse in Gstaad mit den wunderschönen Bergen einmalig.
Schon als kleines Kind war ich jedes Jahr als Ballgirl dabei und durfte sogar an Autogrammstunden sowie am Kids-Training teilnehmen. Dass ich heute selbst hier spielen darf, ist ein wahr gewordener Traum. Letztes Jahr konnte ich mit Tanja Hüberli den 4. Platz erreichen. Es wäre natürlich schön, irgendwann eine Kuhglocke zu gewinnen.
Gibt es eine Partie oder ein Turnier, das deine Entwicklung besonders gut widerspiegelt?
Das war in Gstaad 2025 gut zu sehen. Wir haben den Achtelfinal verloren. Ich konnte nicht mein bestes Beachvolleyball zeigen. Durch den Einzug als Lucky-Loser konnten wir dennoch am Viertelfinal teilnehmen und dieses gewinnen.
Es gelang mir, die Niederlage vom Morgen wegzustecken und am Nachmittag wieder mein Beachvolleyball auf den Sand zu bringen. Ich glaube, man hat dort zwei unterschiedliche Spielerinnen auf dem Court erlebt und meine mentale sowie spielerische Entwicklung wurde dabei widerspiegelt.
Was bedeutet dir persönlich die Auszeichnung „Rookie of the Year“?
Es hat mich sehr gefreut und ich fühle mich wirklich geehrt. Diese Auszeichnung ist eine schöne Anerkennung durch die Spieler:innen der gesamten internationalen Tour.
Es zeigt mir, dass sich die tägliche harte Arbeit lohnt, und gibt mir eine zusätzliche Portion Motivation, denn ich habe noch viel zu lernen. Beachvolleyball ist jedoch eine Teamsportart, und ohne meine Partnerin, das gesamte Team sowie unsere Sponsoren wäre dies nicht möglich gewesen.
Was würdest du Nachwuchsathletinnen raten, die davon träumen, international Fuss zu fassen?
Ich würde sagen: jeden Tag an sich arbeiten zu wollen, das Beste aus sich herauszuholen, immer alles zu geben und sowohl an seinen Schwächen als auch an seinen Stärken zu arbeiten und dabei nie den Spass zu verlieren, denn das ist das Wichtigste.
Und niemals aufzugeben. Es gibt bessere und schlechtere Tage, doch entscheidend ist, offen zu bleiben, den Kopf nie hängen zu lassen und immer weiterzumachen.